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Denkmäler Kavalas

Am 18. April war der Welttag der Denkmäler.
Angefangen von Naturkatastrophen bis zur Zerstörung durch die Menschen, durch Fanatismus und Dummheit geht jeden Tag etwas unseres Weltkulturerbes verloren. Der Welttag der Denkmäler wird immer deshalb immer wichtiger und soll die Möglichkeit bieten, die Menschen zu informieren und dafür zu sensibilisieren. Dieser Welttag wurde erstmals um 1982 von ICOMOS begangen. In den darauf folgenden Jahr 1983 wurde er in die 22. UNESCO Hauptversammlung aufgenommen. Das Ziel ist natürlich die Information und die Problematik, der Bevölkerung den Schutz und die Rettung der Vergangenheit allgemein näher zu bringen, ob Naturdenkmäler oder Kunst oder Gebäude. Der diesjährige Welttag der Denkmäler war religiöser Erbschaften und heiligen Plätzen gewidmet (religious heritage and sacred places). In ganz Griechenland war der Eintritt in die Museen an diesem Tag kostenlos. Die Präfektur Kavala kann sich über eine große Anzahl von Denkmälern erfreuen, die in der ganzen Präfektur verstreut liegen. Deshalb ist es angebracht, für ein paar dieser Denkmäler ein paar Informationen zu geben.

1. Im Norden Kavalas:
Philippoi
Wir beginnen bei der Krönung der Denkmäler in der Region Kavala, in Philippoi, obwohl es noch nicht in die Liste des Weltkulturerbes in Griechenland aufgenommen wurde.
Das archäologische Areal von Philippoi ist eines der größten in der Region Ost-Makedoniens und ist verbunden mit einer der wichtigsten und glorreichsten Geschichte. Diese Region war bereits in der neolithischen Zeit bewohnt, was eine nachgewiesene Siedlung in ca. 2 km Entfernung bestätigt. Natürlich bestand diese menschliche Siedlung über die neolithische Zeit hinaus. Weltberühmt wurde die Stadt um 42 v. Ch. nach der Schlacht, die außerhalb der Stadtmauer stattgefunden hatte. Diese Schlacht bildet eine Station bzw. einen Wendepunkt in der Stadtgeschichte. Von da an wurde die Stadt lateinisiert. Römische Veteranen und Siedler wandeln die Stadt in ein kleines Rom. Zeugnisse aus dieser Glanzzeit sind das Theater am Fuße des Bergs und das Forum (Agora), ein rechteckiger Platz mit Marmorplatten belegt, der Geschäfte, Tempel, öffentliche Toiletten und 2 Kirchen mit Taufbecken beinhalte. In dieser Stadt wirkte auch der Apostel Paulus. Die Überreste seines Gefängnisses gibt es immer noch. Die Geschichte der Stadt begann 360 v. Chr. als Kolonie der Thassier unter der Namen Krenides (Krinides). Anziehungspunkt für die Kolonisten waren die Goldvorkommen des Pangäon-Gebirges. Aus Angst vor den Thrakern riefen um 356 v. Chr. die Bürger Philipp II., König von Makedonien zu Hilfe. Er übernahm die Stadt, die sich seit dem Philippoi nannte.

Lydia
Dieses Dorf liegt 2 km entfernt von Philippoi. Dort gab es einen römischen Friedhof. Das Ufer des Flusses nutzten Juden als Versammlungsort und Gebetsstelle. Dort sprach auch einer seiner Landsleute, der Apostel Paulus und taufte dort die erste Christin, die hl. Lydia aus Philippoi. Heute liegen am Rande des römischen Friedhofs, an dem Ort wo Lydia getauft wurde, ein Baptisterion und ein Taufbecken.

Dikili Tas,
eine sehr wichtige prähistorische Siedlung am Ufer des Prasias-See (heute Moor). Aufgrund der Funde muss man davon ausgehen, dass die Siedlung ununterbrochen von der mittleren neolithischen Zeit ca. 10.500 v. Chr. bis in die Früheisenzeit ca. 700. v. Chr. bewohnt wurde. Danach verschwand diese Ansiedlung. Man kann aber behaupten, dass dieser Ort der Vorfahre von Philippoi ist.

2. In Kavalas Zentrum:
Kamares – Aquädukt
Das Aquädukt ist das größte und imposanteste Bauwerk mitten in Kavala. Man kann sich die Stadt ohne dieses Bauwerk kaum vorstellen. Dieses Baudenkmal diente anfänglich als eine lange Mauer, die den Weg in die Kaiserstadt Konstantinopel sperrte. Aus diesem Grund wurde in mittelalterlichen Zeiten Christoupolis (Christusstadt), das heutige Kavala, als Thermopylä Makedoniens bezeichnet. Die Lange Mauer wurde von Kaiser Andronikos B´ Paläologos gebaut. Auf den Ruinen dieser Mauer baute dann Sultan Suleiman der Prächtige dieses Aquädukt. Um 1530 n. Chr. in der osmanischen Zeit war er bekannt als Su-Yolu (Wasserstrasse). Für mindestens 3 Jahrhunderte war dieses wunderbare Bauwerk in Funktion.

Festung – Akropole
Eines der intensivsten Elemente, die das Stadtbild prägen und gleichzeitig noch ein Wahrzeichen der Stadt ist, eventuell sogar das älteste, ist die Burgfestung. Sie steht an der höchsten Stelle auf der felsigen Halbinsel der Altstadt. Die Burgruine ist unbestritten der schönste Platz und ein Denkmal, das noch vollständig erhalten ist. Die Festung wurde vor dem 5. Jh. v. Chr. von den Thassiern erbaut. Bis heute sind ursprüngliche Steine aus Granit vorhanden, wie z.B. in 1,80 m Länge an der Westseite der Altstadt als Teil der alten Stadtmauer. Diese Mauern wurden öfters erneut und erweitert. Einmal von den Byzantinern, vom Kaiser Andronikos Paläologos, der auch die „Schwarze Mauer“ baute. Zum letzten Mal wurden Teile der Mauer
von den Venezianern erneut. Die heutige Altstadt von Kavala wurde in der jetzigen Form im 1. Viertel des 15. Jh. erbaut.

Via Egnatia
Die antike Via Egnatia war der größte Handels- und Militärweg der Antike und man würde sie heute als High Way der Kulturen und Religionen bezeichnen. Sie vereinte Orient und Okzident und war die Verlängerung der Via Appia nach Osten. Sie folgte größtenteils der alten Trasse des makedonischen Königreichs. Ihren Namen erhielt sie von Konsul Egnatius bzw. Ignatius. Die Straße begann bei den Städten Durrachium (Durres) und Apollonia im Ionischen und Adriatischen Meer und endete bei Kypsela, heute Ypsala. Die Länge der Straße betrug 4.280 Stadien (1 Stadium = 192 m), Baubeginn war das Jahr 146 v. Chr. Mit dieser Strasse schafften es die Römer, Makedonien unter Ihre Kontrolle zu bringen. Später wurde die Strasse bis nach Byzanz verlängert. Das größte, noch erhaltene Stück dieser Strasse befindet sich außerhalb von Kavala.

3. Im Süden Kavalas:
Thassos
Gründer und Namensgeber der Insel war Thassos, Bruder von Prinzessin Europa und der Sohn König Agenor und seiner Frau, der Königin Telephaessa aus Phönizien. Die Insel war deshalb erstmals von Phöniziern bewohnt. Die ersten griechischen Kolonisatoren kamen dann von der Insel Paros, unter Führung des Telesikles. Unter ihnen war auch einer der berühmtesten Dichter der Antike, Archilochos. Die Insel war Jahrhunderte lang Schauplatz der Interessenmacht aufgrund ihres Reichtums, (Gold-, Silber-, Zink-, Marmor- und Holzvorkommen). In der Hauptstadt Limenas bzw. Thassos befinden sich die Ausgrabungen einer Agora, viele Tempel, eines antiken Theaters, die Akropolis und der antike Kriegshafen aus dem 5 Jh. v. Chr. Der Hafen erfüllt auch heute noch seinen Zweck als Fischereihafen ist. Antike Überreste sind über die ganze Insel verstreut, z.B. in Alyki, in Thimonia, in Ainyra. in Kinira, und Maries u.a. Die Geschichte der Insel erstreckt sich natürlich auch über die Zeit der Römischen Epoche über das Mittelalter bis heute.

Thassos – Kastro
Das Dorf Kastro befindet sich auf dem südlichen Teil der Insel, ca. 17 km von der Küste entfernt auf einen Hügel im Inselinnern in ca. 700 m Höhe. Sie ist von 3 Seiten befestigt und nur durch einen schwer begehbaren Weg zu erreichen. Es ist eine der ältesten Siedlungen im Raum der Ägäis. Man vermutet, Kastro hat das gleiche Alter wie Poliochni (Lemnos), die älteste Stadt in diesem Raum überhaupt. Heute kann man noch Teile der Befestigung und die Kirche Ag. Athanassios mit dem Grimaldiwappen sehen. Das einstmals verlassene Dort belebt sich in den letzten 20 Jahre wieder und hat inzwischen neue Bewohner gefunden.

Thassos – Maries
Vor dem Dorf Maries im Inneren der Insel liegen die Okra-Minen bei Tzinnes. Nach Untersuchungen ergaben diese eine Datierungen bis ca. 23.000 v. Chr.

Thasos Oinira.
Einer der Exportschlager der Antike war Thassischer Wein. Dieser war so berühmt und kostbar, dass ihn sich nur Ultra-Reiche der Antike leisten konnten. Plato spricht in seinem „Symposium“ über den berühmten „Thassion Oinon – Thassischer Wein“. Um Raubkopien und Plagiate des Produktes zu verhindern, hatten die Thassier strenge Kultivierungs- Abfüllungs- Transport- und Qualitätssicherungsgesetze, die Oinira (oinos=Wine). Außerdem wurden die Handelschiffe zur Sicherung der Qualität von einer Flotte von 37 Triremen begleitet. Diese Gesetze aus den Jahren ca. 650 v. Chr. gelten als die ältesten Normen der Welt und befindet sich im Archäologischen Museum von Thassos, in Voustrofidon-Schrift geschrieben.

4.Im Westen Kavalas:
Oisyme
Gegründet am Anfang der 7 Jh. v. Chr. als griechische Kolonie des Thassischen Staates und bekannt für die Produktion des biblischen Weines. Die Stadt befindet sich auf einem Hügel in der Nähe der Ortschaft Nea Peramos, die auch heute bekannt ist durch ihre Trauben und Weinproduktion. Der Platz der antiken Stadt wurde erstmals urkundlich im 9. Jh. n. Chr. erwähnt als Bischofsitz der Stadt Anaktoroupoli.

Anaktoroupolis
Eine befestigte byzantinische Siedlung zur Sicherung des Hafens bei dem Ort Nea Peramos. Die Burgruine von Anaktoroupolis überragt die Halbinsel Vrasidas, neben der antiken Oisyme, welche die Nachfolge-Stadt war. Anaktoroupolis war der Bischofsitz der Metropole von Philippoi. Die Stadt befindet sich an der Bucht von Eleftheres, wo es in byzantinischen Zeiten eine Flottenbasis gab. Urkundlich erstmals erwähnt wird sie im 9. Jahrhundert n. Chr., zusammen mit der Antiken Oisymi. Aus Hinweisen auf einer Tontafel weiß man, dass die Befestigung im 12. Jahrhundert n. Chr. erneuert wurde. Die Stadt wurde Ende des 14., Anfang des 15. Jahrhunderts von den Osmanen zerstört.

Die Burg von Apollonia
Der fünfstöckige byzantinische Turm wurde vermutlich in der Mitte der 14. Jahrhunderts gebaut. Der genaue Name des Ortes ist nicht mit Sicherheit überliefert. Jedoch gab es in der Region unterhalb des Pangäon-Gebirges, in der sog. Thassion Peraia eine Stadt mit dem Namen Apollonia. Der Turm ist ein Bau aus den Zeiten des Oströmischen Reiches. Ähnliche Türme findet man auf Thassos und Samothraki.

Vranokastro
Der Ort lag östlich des heutigen Dorfes Paläochori am Fuße des Pangäon-Gebirges in Befestigungsform der Klassischen Zeit, zur Kontrolle der Goldvorräte aus dem Pangäon. Vermutlich wurde der Ort um 1185 n. Chr. von General Alexios Vranas umgebaut, um die Kontrolle der Strasse zwischen Pangäongebirge und den Seen und Teichen von Philippoi zu überwachen. Der Ort wurde von den Osmanen um 1383 nach langer Belagerungszeit zerstört.

Pergamos
Pergamos (gleichnamiger Ort in Kleinasien) war eine der wichtigsten Siedlungen im Pieria Tal, südlich des Pangäon. Nach dem Geschichtsschreiber Herodot hat die Armee des Perserkönigs Xerxes während ihres Feldzuges nach Griechenland um 480 v. Chr. außerhalb dieser Stadt ihre Lager errichtet

Berg Pangäon
Ein Naturdenkmal ist der Berg der Musen und von Dionysos, der goldtragende Berg. Es gibt zahlreiche Mythen und Geschichten über diesen Berg. Es wird erzählt, dass in den Wäldern des Pangäon Orpheus lebte und ihn hier die berauschten Mainaden umgebracht haben sollen.

Pangäon Kloster
Die Hänge des Pangäongebirges beherbergen viele Klöster. Die meisten von ihnen haben eine über tausend Jahre alte Geschichte zu erzählen. Größte Berühmtheit von allen Pangäon-Klöstern hat das Kloster Eikossifinissa an den Nord-Hängen des Berges, an der Grenze zur Präfektur Serres. Das Kloster Eikossifinnissa wurde vor 400 n. Chr. gegründet, gilt als das älteste Kloster Europas und ist die Wiege des orthodoxen Glaubens in ganz Ost-Makedonien.

Felsenmalerei Pangäon
Malerei gilt als die erste Schriftform der Menschheit, um Begebenheiten auf einer Fläche darzustellen. Solche gemalte Szenen findet man nicht nur in Manon-Lescot, sondern überall auf der Welt, wo Frühmenschen gelebt hatten. Im Pangäon und auch umliegenden Regionen wurden zahlreiche Felsenmalereien gefunden. Die Datierungen sind sehr unterchiedlich. Sie reichen von vor 100.000 Jahren v. Chr. bis in jüngere Zeiten. Natürlich erkennt man mit bloßen Augen, dass die ältesten Zeichnungen sehr primitiv waren und die jüngeren immer perfektionierter sind. Die Felsenmalereien, die in der Region gefunden wurden, zeigen, dass die Region in Ost-Makedonien seit den ursprünglichen Zeiten dauerhaft bewohnt war. Außerdem vermutet man, bei dem auf der Halbinsel Chalkidiki gefundenen Skelett den ältesten Menschen Europas, den Archantropos gefunden zu haben.

Chrysopolis – Iion
Chrysopolis (Goldene Stadt) ist die westlichste Stadt der Präfektur. In antiken Karten erscheint sie einmal als Kaledes oder als das antike Iion und später als Chrysopolis. Die Stadt wurde erstmals im 10. Jahrhundert n. Chr. urkundlich erwähnt. Chrysopolis gilt auch als die Nachfolgestadt von Amphipolis an beiden Ufern des Stymonas Flusses. Amphipolis wurde zuletzt im 7. Jahrhundert in historischen Quellen erwähnt.

5. Im Osten Kavalas:
Nestostal
An der Grenze der Präfekturen Drama, Kavala und Xanthi fängt das Nestostal an. Der Flusslauf bildet die Grenzen der Präfekturen Kavalas und Xanthi. Das Flusstal gilt als Natur-Denkmal und ist eines der schönsten Täler im Balkan. Das Tal folgt dem schlangenartigen Flussverlauf in einer reichen Flora und Fauna. Hohe Bäume, mangrovenartige Pflanzen, eine Vielfalt von Büschen, Wildblumen und eine große Zahl von Tierarten leben an beiden steilen Bergufern. Das Nestostal gilt auch als eine der wichtigsten Stationen der Zugvögel.

Pistyros
Dieser Ort identifiziert sich heute mit der Festung bei Pontolivado. Er wurde von dem aus Klazomenes in Kleinasien stammende Timesios gegründet. Um das Jahr 656 v. Chr. wurde Timesios aus der Stadt Abdera verbannt. Er gilt als Gründer vieler Städte. Eine davon ist Pistyros.

Akontisma,
eine antike Stadt, die nach Recherchen und Funden in der 1. Hälfte des 4 Jahrhunderts v. Chr. gegründet wurde und vermutlich eine Station an der Via Egnatia war, die außerhalb der Stadt vorbei führte. Beweise zeigen aber auch eine noch ältere Stadtkolonie der Thassier. Sicher ist, dass dieser Ort zu Zeiten von König Philipp II. von Makedonien ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt war. Bei Ausgrabungen fand man römische und byzantinische Überreste.

Bericht Makis Liolios –
Übersetzung Sotiris und Agi Xognos

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